Socken und Samen

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Womit Unternehmen auf Messen werben.

Ich habe in den vergangenen Wochen zwei Messen besucht, die Fair friends in Dortmund und die dmexco in Köln. Unterschiedlicher können Messen wohl kaum sein. Die eine klein, mit vielen bunten Dingen aus aller Welt, die fair produziert und gehandelt  werden. Mit Ständen von  der Größe eines Gästeklos, wo der Unternehmer selbst hinter mit Tüchern verdeckten Tapetentischen steht. Die andere groß mit Ausstellern, deren Namen Ehrfurcht einflößen. Die es digital und bunt aus mehreren Metern Höhen auf den Messestand regnen lassen, die Riesenscreens mit fantastischen Videos oder super-minimalistisch weiße Wände mit einem edlen kleinen Logo und leeren Glanz-Theken an dekorativen Hostessen davor präsentieren.

Sie haben die Bilder im Kopf? Dann werden Sie es kaum glauben. Diese Messen haben tatsächlich etwas Gemeinsames (außer der Tatsache Messen zu sein), nämlich… ja, genau: Socken und Samen.

Kalte Füße, Billig- oder Strickliesl-Image?

Die Socken waren der Renner in diesem Jahr. Bunt und hochgetürmt, fast wie beim Wühltisch im Kaufhaus, und die Leute griffen zu. So z. B. am dmexco-Stand vom SimilarWeb.

 

 SimilarWeb Ltd […] bietet internationalen Unternehmen Dienstleistungen im Bereich Web Analytics, Data-Mining und Business Intelligence an.

So klärt Wikipedia diejenigen auf, die noch nie was von SimilarWeb gehört haben. Was hat das mit Socken zu tun, frage ich mich? Gut, ich muss einräumen, dass ich kein IT-Experte bin und mir somit vielleicht der mögliche Witz entgeht oder so etwas wie Insiderwissen. Immerhin kann ich ein bisschen Englisch und kombiniere scharf, dass „similar“ ja „ähnlich“ oder „gleich“ bedeutet und Socken in aller Regel aus einem Paar gleich aussehender gestrickter Fußkleider bestehen. Ja, und? Ist das der Witz? Ich rätsle heute noch. Vielleicht wissen die aber auch, dass viele beim Thema Digitalisierung kalte Füße kriegen und haben deshalb Socken als Werbemittel gewählt.
Auf meine Frage, warum sie Socken verteilten, kam die Antwort prompt: „Weil’s wirkt! Sie sehen ja.“ Aber die Frage ist doch nicht „Was wirkt?“, sondern „Was wirkt wie?“ Ich bezweifle, dass Unternehmer diese quietschbunten Socken unter ihrem Business-Outfit tragen, da müssen wohl eher die Kinder dran glauben. Somit ist auch der Effekt der Erinnerung an den eingestickten Namen futsch.

Auch auf der Fair Friends gab es Socken gratis, aber ich muss zugeben, dass ich mich da nicht länger aufgehalten habe und wahrscheinlich davon ausgegangen bin, dass die aus irgendeiner nachhaltigen Produktion mit Wolle aus artgerechter Tierhaltung stammen. Erst als ich auf der dmexco die gleichen Socken sah, wurde ich stutzig. Aber da war es zu spät, um nochmal nachzuschauen.

Blühende Fantasie

Der andere Burner waren Samen, genauer gesagt Blumensamen. In Dortmund fand ich die echt klasse, da meines Erachtens passend platziert, wie beispielsweise bei einer Firma, die was mit Erden zu tun hat. Die anderen Tütchen, die jetzt neben meiner Tastatur liegen, stammen von der GLS Bank und von Global Engagement, einem Service für Entwicklungshilfe, der mit dem BMZ verbandelt ist. Der Spruch darauf „Für blühendes Engagement!“ stellt die passende Verbindung zum Inhalt, Bio-Ringelblumen, her – für alle, die es sonst nicht kapieren. Bei der GLS Bank muss man schon mehr lesen, um auf den Trichter zu kommen. Vorne auf der Packung steht: „Darüber spricht das Bienennetzwerk. Blumenmischung, die Bienen besonders lieben.“ Das ist für mich noch zu hoch. Aber ein Blick auf die Rückseite bietet mir etwas Nachhilfe:

 

Das Netzwerk mit Sinn

Die Bienen wissen es schon lange: Gemeinsam erreicht man mehr. Wie gut, dass dieses Denken auch bei der GLS Bank geteilt wird. Wir […]bieten ein umfassendes Netzwerk.

Ah ja! Da hat sich ein Marketingmensch aber ordentlich Gedanken gemacht, bzw. seiner Fantasie freien Lauf gelassen. Immerhin passt es zur Ausrichtung der Messe. Aber, Sie ahnen es schon, auch die dmexco konnte mit Samen aufwarten. Trusted Shops bot Tütchen mit Sonnenblumensamen in Erde. Dicker, größer, aufwändiger. Und der Bezug zum Unternehmen? Growing conversions!

Hm, ja. Immerhin weiß ich jetzt, warum die Blumensamen so beliebt sind. Eine Verbindung zum Produkt lässt sich da für fast jedes Unternehmen herstellen. Man muss nur wenige Gehirnwindungen durchforsten, um herauszufinden, was beim Kunden wachsen sollte oder will.

Der Werbe-Klassiker

Ein Mittel, mit dem Aussteller auf Messen werben, darf natürlich hier in der Aufzählung nicht fehlen, weil es einfach, trotz der beachtlichen Anzahl an alternativen Werbemitteln, nicht mehr wegzudenken ist. So etabliert, dass es den Unternehmen erspart bleibt, über den inhaltlichen Bezug nachzudenken: Der Kugelschreiber. In jeder Farbe, an jedem Stand mit jedem Branding – der Dauerbrenner seit Jahrzehnten. Billig und universell, immer zu gebrauchen. Guckt da eigentlich noch jemand auf das Branding?

Es gab natürlich auch noch andere Werbegeschenke, wie Notizblöcke, umfangreiche Handbücher, den Rubik-Würfel , Kaugummi und Limo, die zwar an den heißen Tagen echt cool war, aber die leere Flasche hat auch keiner mit nach Hause genommen. Tja, zu gerne hätte ich allen von Tippi erzählt, aber dafür reichte einfach die Zeit nicht.

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